Von Führungskräften wird heute fast Unmögliches erwartet.
Besonders im Mittelmanagement stehen sie ständig zwischen den Stühlen: Von „oben“ kommen strikte Vorgaben, Zahlen müssen stimmen, Produkte geliefert und Prozesse eingehalten werden. Von „unten“ erwarten Teams realistische Ziele, klare Kommunikation und eine wertschätzende Führung. Die Führungskraft muss das Team „bei der Stange halten“, Motivation hochhalten und individuelle Bedürfnisse berücksichtigen, selbst wenn die Vorgaben von oben nicht verhandelbar sind.
Und doch wird, wenn etwas schiefläuft, fast immer nach Schuldigen gesucht, und die Führungskraft ist schnell ausgemacht.
„Menschen verlassen kein Unternehmen, sondern den Chef.“ „Toxische Führungskräfte sind der Grund für schlechte Leistung des Teams.“ So lauten die gängigen Narrative. Doch bei genauerer Betrachtung ist nicht die Führungskraft schuld, sondern das System in der Organisation.
Führungskräfte, viele wissen das gar nicht, sind oft allein.
Sie müssen auf Basis vorgegebener Rahmenbedingungen Entscheidungen treffen, haben die KPIs im Nacken und können sich nicht „outen“, wenn sie keine Lösung für ein Problem haben. Das würde ihre Position infrage stellen und sie schwach oder inkompetent wirken lassen.
Führung wird zudem oft falsch verstanden und interpretiert, aber damit beschäftigen wir uns in einem anderen Impuls.
Fazit
Von Führungskräften wird meist Übermenschliches verlangt. Sie müssen den Kopf hinhalten, wenn Dinge schieflaufen, werden aber selten anerkannt, wenn es gut läuft. Die Anforderungen sind oft unmöglich zu erfüllen.
Wir müssen aufhören, über Führungskräfte zu schimpfen. Stattdessen müssen wir mit ihnen reden, verstehen, welche Probleme sie haben, was sie nicht gewährleisten können und wo ihre Grenzen sind. Nur durch dieses gemeinsam erlangte Verständnis der Probleme in der Organisation lässt sich über Lösungswege nachdenken.
Und übrigens: Ein „Arschloch“ bleibt sehr wahrscheinlich immer ein „Arschloch“. Aber dieses „Privileg“ haben Führungskräfte nicht für sich patentiert!