Es gibt Sätze, die in jedem Meeting funktionieren. Alle nicken, niemand widerspricht – und hinterher ist trotzdem unklar, wer jetzt was tut. Das sind Management-Phrasen: Aussagen, denen man kaum widersprechen kann, weil sie gar keine überprüfbare Behauptung enthalten.
Eine Management-Phrase ist dann perfekt, wenn alle zustimmen, aber niemand hinterher weiß, was am Montag anders gemacht werden soll.
Warum sind sie fast nie falsch?
Weil sie nichts behaupten, das sich prüfen ließe. „Der Mensch steht im Mittelpunkt“ nennt keine Handlung, keine Kennzahl, keinen Zeitpunkt – es gibt nichts, woran der Satz scheitern könnte.
Weil sie positiv besetzt sind. Wer stellt sich schon gegen „eine Kultur des Vertrauens“ oder gegen „nachhaltiges Denken“?
Und weil sie zu allem passen: zu jeder Folie, jeder Rede, jeder Strategie. Genau das macht sie so bequem.
Warum sagen sie dann nichts?
Weil drei Dinge fehlen:
- Der Adressat – wer genau ist gemeint?
- Die Handlung – was genau wäre zu tun?
- Das Kriterium – woran würden wir merken, dass es geklappt hat?
Solange diese Lücken offen bleiben, ist die Phrase folgenlos. Sie beruhigt, aber sie verändert nichts.
Und wir Berater? Weltspitze.
Damit hier keiner denkt, wir würden mit dem Finger auf andere zeigen: Kein Berufsstand beherrscht die Management-Phrase so souverän wie unser eigener. Beraterdeutsch ist die Champions League der schönen Sätze – und wir spielen jede Saison mit.
Einige behaupten:
Wir verwandeln heiße Luft zuverlässiger in Rechnungen als jede andere Branche.
Ehrlich? Ein paar davon haben wir selbst schon gesagt – manche davon diese Woche. Der Unterschied liegt nicht im Vokabular, sondern darin, ob danach ein konkreter nächster Schritt steht oder nur der nächste schöne Satz.
Noch keine Idee, was du im nächsten Meeting beitragen sollst?
Kein Problem. Klick dir aus jeder Spalte eine Zutat zusammen – oder würfle. Die Grammatik stimmt immer, der Inhalt nur manchmal. Ungefähr wie im echten Meeting.
So sind 9.360 Sätze möglich – und kein einziger sagt, was zu tun ist.
Woran man’s erkennt – und was hilft
Der schnellste Test ist eine einzige Frage: Was wäre am Montag konkret anders, wenn wir diesen Satz ernst nehmen? Kommt darauf keine Antwort, war es eine Phrase.
Der Punkt ist nicht, solche Sätze zu verbieten – oft sind sie ein ehrlicher erster Impuls. Der Punkt ist, sie zu übersetzen: Wer macht was, bis wann, und woran sehen wir den Unterschied?
Das ist keine Rhetorik-Kritik, sondern Arbeit am System: Eine Organisation, die ihre eigenen Sätze konkret macht, trifft bessere Entscheidungen als eine, die sich an schönen Formulierungen wärmt.
Wo aus Phrasen dauerhaft Wandschmuck wird, ist man schnell bei den „Fake-Prinzipien“ – Sätzen, an die sich niemand hält und die trotzdem niemand streicht.
Der Begriff „Plastikwörter“ stammt übrigens vom Sprachwissenschaftler Uwe Pörksen (1988): Wörter, die überallhin passen, gut klingen und dabei ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben. Das Beraterkollektiv „Musterbrecher“ (Stefan Kaduk, Dirk Osmetz, Stefanie Rödel) hat diesen Plastikwörtern ein ganzes Buch gewidmet: „Sprechblasen der Organisationskultur. Ein Glossar“. Können wir sehr empfehlen.